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Sahnestücke, Krümel und kleine Wunder

7. Juli
3 Min. Lesezeit

Das Leben serviert nicht immer Sahnestücke.

Zumindest nicht so oft, wie wir es uns wünschen würden.


Wenn wir jung sind, glauben wir oft, das Glück müsse groß sein. Der perfekte Urlaub. Der Traumjob. Die große Liebe. Das Haus mit Garten. Die besonderen Momente, die man fotografiert und mit anderen teilt.


Und ja, diese Sahnestücke gibt es in unserem Leben. Und es ist gut, dass es sie gibt, dass wir sie erleben dürfen.


Aber das Leben besteht nicht nur aus ihnen.

Manchmal serviert es uns Sorgen. Abschiede. Krankheiten. Enttäuschungen. Verluste, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen.

Wer solche Zeiten erlebt hat, beginnt oft, anders auf das Leben zu schauen.


Wer einen schweren Verlust erlebt oder lange durch eine schwierige Zeit geht, ertappt sich manchmal dabei, mit dem Leben zu hadern.

Warum gerade ich? Warum musste es so kommen? Warum ist mein Weg nicht so verlaufen, wie ich ihn mir gewünscht hatte?


Nach Julius' Tod saß ich in Berlin mit einer Tasse Kaffee in der Hand und stellte mir genau diese Fragen.

Warum wir? Warum musste ausgerechnet unsere Familie diesen Weg gehen?

Und irgendwann kam ein Gedanke, der zunächst fast hart klang:


Warum nicht wir?

Nicht, weil ich den Verlust dadurch kleiner machen wollte. Das konnte ich nicht.

Sondern weil mir bewusst wurde: Das Schicksal verteilt seine schweren Tage nicht nach Gerechtigkeit. Es entscheidet nicht: du ja, du nein.


Krankheit, Abschied und Verlust fragen nicht danach, wen sie treffen dürfen. Sie gehören zum Leben – auch wenn wir uns von Herzen wünschen, sie würden an den Menschen vorbeigehen, die wir lieben.


Aus diesem Gedanken ist mit der Zeit eine weitere Erkenntnis gewachsen, die mich bis heute begleitet:


Das Leben arbeitet nie gegen uns.

Es fühlt sich in schweren Zeiten oft so an. Als hätte das Leben sich gegen uns verschworen. Als wäre es ungerecht.

Doch ich glaube heute etwas anderes. Das Leben bestraft uns nicht. Es bevorzugt auch niemanden. Es ist nicht gegen uns. Es ist einfach das Leben – mit all seiner Schönheit und all seinen Wunden.


Diese Erkenntnis hat meinen Schmerz nicht genommen. Aber sie hat meinen Blick verändert. Sie hat mir geholfen, das Unabänderliche nicht länger als persönlichen Angriff des Lebens zu sehen.


Und während wir auf die großen Antworten warten, übersehen wir manchmal die kleinen Dinge, die trotzdem noch da sind. Gerade die Krümel sind es, die uns durch schwere Tage tragen.


Ein Sonnenstrahl, der am Morgen die Nase kitzelt.

Die Hände, die tief in die Erde eintauchen und etwas Neues pflanzen.

Das leise Rascheln der Blätter im Wind.

Das Glitzern eines Sees im Abendlicht.


Für viele Menschen mögen das nur Kleinigkeiten sein.

Für mich sind sie etwas anderes geworden.

Sie sind kleine Streicheleinheiten für die Seele.

Rettungsinseln.


Gerade in Krisenzeiten habe ich gelernt, diese kleinen Momente bewusst wahrzunehmen und sie in mein Leben einzuladen. Nicht, weil sie Angst, Schmerz oder Trauer wegnehmen. Das können sie nicht.

Aber sie erinnern mich daran, dass das Leben trotz allem weiter kleine Geschenke bereithält.


Ich freue mich über die kleinen Augenblicke, die mein Herz leichter machen.

Über das Gute, das geblieben ist.

Über das, was mich trägt – auch an schweren Tagen.

Für mich sind es nicht die großen Sahnestücke, die retten.

Für mich sind es die Krümel.


Und manchmal genügt schon einer davon, um den Mut für den nächsten Schritt wiederzufinden. ✨



 
 
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